Neuigkeiten
Digitale Barrierefreiheit in der Hochschullehre: Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe
Patricia Dammann, Franziska Haverland, Aleksandra Bartkowiak & Selin DirlikHintergrund
Die Digitalisierung der Hochschullehre eröffnet neue Möglichkeiten, Barrieren für Studierende mit studienrelevanten Beeinträchtigungen abzubauen – vorausgesetzt, digitale bzw. digital unterstützte Lernangebote sind barrierefrei gestaltet (Bender et al., 2022). Digitale Barrierefreiheit meint die weitgehend uneingeschränkte Nutzbarkeit digitaler Angebote, unabhängig von den individuellen Voraussetzungen der Nutzer:innen (Bender et al., 2022). Obwohl Hochschulen rechtlich zur Umsetzung verpflichtet sind, bleibt barrierefreie digitale bzw. digital-unterstütze Lehre in der Praxis häufig auf Einzelmaßnahmen beschränkt (Rabbel & Porsche, 2021).Zielsetzung und Methode
Im Verbundprojekt SOUVER@N - Digitales Lehren und Lernen in Niedersachsen wurden Lehrende und Studierende hochschulübergreifend mithilfe eines teilstandardisierten Fragebogens zu Herausforderungen, Unterstützungsbedarfen und Einschätzungen im Bereich digitaler Barrierefreiheit befragt.Ausgewählte Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen allgemeiner Medienkompetenz und Kompetenzen zur barrierearmen Gestaltung digitaler Lehrmaterialien. Während viele Lehrende ihre allgemeine Medienkompetenz hoch einschätzen, bewerten sie ihre Kompetenzen im Bereich digitaler Barrierefreiheit deutlich zurückhaltender. Auch die Vertrautheit mit konkreten Maßnahmen fällt unterschiedlich aus: Allgemeine Gestaltungsprinzipien sind eher bekannt als Maßnahmen, die spezifische technische Kenntnisse erfordern.Zugleich spielt Barrierefreiheit bei der Gestaltung der eigenen digitalen bzw. digital unterstützten Lehre bislang für viele Lehrende nur eine geringe Rolle. Studierende messen einer barrierefreien Gestaltung digitaler Lehrangebote dagegen eine hohe Bedeutung bei.
Als zentrale Hürden nennen Lehrende vor allem begrenzte zeitliche Ressourcen, fehlende strukturelle Unterstützung durch die Hochschule sowie Unsicherheiten bei der praktischen Umsetzung. Viele Befragte wissen zudem nicht, ob es an ihrer Hochschule Ansprechpersonen für digitale Barrierefreiheit gibt. An entsprechenden Fortbildungen hat bislang nur ein kleiner Teil der Lehrenden teilgenommen.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Barrierefreiheit nicht nur ein Nischenthema ist, sondern eine Querschnittsaufgabe für gute Lehre und stärker in der Hochschullehre verankert werden sollte. Dazu braucht es klare institutionelle Richtlinien, sichtbare Unterstützungsstrukturen und passgenaue Weiterbildungsangebote. Technologische Innovationen und automatisierte Lösungen können ergänzend dazu beitragen, den Aufwand zu reduzieren und die barrierearme Gestaltung digitaler Lehrangebote zu erleichtern.Literatur
- Bender, C., Dreiack, S., Engels, V., Fisseler, B., Gregory L., Gross, M., Kaffenberger, J., Kostädt, P., Meyer zu Bexten, E., Rustemeier, L., Schwarz, T., Tannert, B., Cepeda Velasquez, E., & Weber, G. (2022). Leitfaden zu digitaler Barrierefreiheit an Hochschulen (Arbeitspapier Nr. 66). Hochschulforum Digitalisierung. https://lbit.hessen.de/sites/lbit.hessen.de/files/2022-11/hfd_ap_66_leitfaden_digitale_barrierefreiheit.pdf
- Rabbel, I., & Porsche, C. (2021, August, 18). Barrierefreiheit in der digitalen Lehre: Die USA als Vorbild für deutsche Hochschulen? Hochschulforum Digitalisierung. https://hochschulforumdigitalisierung.de/barrierefreiheit-in-der-digitalen-lehre-die-usa-als-vorbild-fuer-deutsche-hochschulen/
Zur News-Übersicht
Veranstaltungen
29. Juli 2026
Am 29.07.2026 findet von 12:30 bis 14 Uhr unsere Expert*innensprechstunde zum Thema „Barrierefreie Hochschullehre“ statt.Weitere Informationen und Anmeldung
15. Juli 2026
Am 15.07.2026 findet von 12:30 bis 14 Uhr unser Online-Workshop „Barrierefreie Hochschullehre“ statt.Weitere Informationen und Anmeldung
24. August 2026
Workshop "Diversitätssensible Beratung"
Am 24.08.2026 findet von 9 bis 15 Uhr unser Online-Workshop „Intersektionalität und Diversitätssensibilität in Beratung, Lehre und Tätigkeit an der Hochschule“ statt.Weitere Informationen und Anmeldung
