„Hochschulen leben von Diversität!“– Bericht über die Tagung am 8.5.2025
Unter der Überschrift „Die Zukunft ist inklusiv: Studieren mit Behinderung/chronischer Erkrankung in Niedersachsen“ kamen am 08.05.2025 über 70 Interessierte zum Thema im Pavillon Hannover zusammen. In der vom NESIS-Projekt ausgerichteten Tagung nutzten Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, Studierende, Wissenschaftler*innen und weitere (hochschulische) Akteur*innen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Sachsen und Hessen die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven auf die Zukunft einer inklusiven Hochschulbildung in Niedersachsen einzunehmen. Das Zitat in der Überschrift dieses Berichts, dass Hochschulen von Diversität leben, stammt von einer Professorin im Rahmen der Veranstaltung und illustriert einen Konsens hierzu, der in der Tagung spürbar war.
Grußworte und Keynotes
Nach einer Begrüßung durch Mitglieder des Projektboards von der Universität Hannover (Sarah Peters, Hochschulbüro für Chancenvielfalt) und der Universität Hildesheim (Prof.in Dr. Christiane Maaß, Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation, Forschungsstelle Leichte Sprache), wurde in den Grußworten die hohe Relevanz einer vom Projekt NESIS zu entwickelnden Netzwerk- und Servicestelle in Niedersachsen für die Hochschullandschaft betont. Dr.in Christina May vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) signalisierte, dass die Förderung des Projekts ein Anliegen ihres Hauses sei. Annetraud Grote, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, ermutigte die Anwesenden, auch mit Bezug auf ihre eigene Biographie, sich auf allen Ebenen hochschulischer Bildung und Organisation für Inklusion zu engagieren.
Die Keynotes berücksichtigten, in Anlehnung an die Projektstruktur, sowohl den Aspekt der Vernetzung als auch der hochschulischen Informationsvermittlung sowie Unterstützung beim Studieren und Lehren mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Dr.in Stefanie Dreiack, stellte in ihrem Beitrag Gelingensbedingungen für eine Netzwerkarbeit vor, wie sie in Sachsen seit 2017 in der Fachstelle Inklusion ausgestaltet wird. Auch Zukunftsperspektiven fanden Erwähnung und stießen auf Interesse im Auditorium, da man in Niedersachsen gerade am Anfang der Koordinierung eines Netzwerks von Beauftragten und assoziierten Mitgliedern steht.
Ebenso war der Blick nach Nordrhein-Westfalen gewinnbringend, wo an der TU Dortmund im Bereich Behinderung und Studium (DoBus) nicht nur Forschungs-, sondern auch Dienstleistungsaufgaben wahrgenommen werden. Dr. Carsten Bender stellte diese auf dem sogenannten Dortmunder Arbeitsansatz basierenden Tätigkeiten vor und sensibilisierte für die zwei Ebenen inklusiver Hochschulentwicklung: Disabilty Mainstreaming bei gleichzeitiger Bereitstellung spezifischer Angebote.
Mit den Keynotes wurde einerseits den beiden Säulen des NESIS-Projekts – Netzwerk und Service – Rechnung getragen und andererseits der Wunsch und die Notwendigkeit der Vernetzung und des Blicks über Niedersachsen hinaus betont.
Podiumsdiskussion
An dem von den Keynotes gesetzten Rahmen schloss die Podiumsdiskussion unter der Fragestellung „Was braucht es, um an Hochschulen inklusiv studieren zu können?“ an. Erweitert wurde die Runde neben den Speaker*innen um Annetraud Grote, Nele Basedow (Studentin des Masters Barrierefreie Kommunikation an der Universität Hildesheim) und Prof.in Dr. Simone Abels (Professorin für Didaktik der Naturwissenschaften am Institut für Nachhaltige Chemie und Vizepräsidentin für Graduate School, Qualitätsentwicklung und Lehrkräftebildung der Leuphana Universität Lüneburg). Es entstand ein lebhafter Dialog mit der gemeinsamen Übereinkunft, dass die Stärkung des Themas Inklusiv Studieren über die Sichtbarkeit auf verschiedenen hochschulischen Ebenen und mit hochschulpolitischer Unterstützung gelingen kann. Einzelne Einblicke in Studium, Lehre, eigene Biographie, Gremienarbeit sowie Beratungstätigkeit verdeutlichten die verschiedenen Ansatzpunkte für die Förderung inklusiver Strukturen an Hochschulen. Die Wortmeldungen aus dem Publikum bereicherten die Diskussion um den Aspekt, dass an (hochschulischen) Einrichtungen in Niedersachsen und darüber hinaus bereits innovative und nachhaltige Lösungsansätze für die Herausforderungen bei der Etablierung von Chancengleichheit entwickelt und umgesetzt werden. Auch wurde auf die durch begrenzte Ressourcen von Lehrenden entstehenden Spannungsfelder bei der Gestaltung barrierefreier Bedingungen hingewiesen und damit verdeutlicht, wo Unterstützungsangebote ansetzen müssten.
Workshops
Dr.in Maike Gattermann-Kasper und Dr.in Susanne Peschke von der Universität Hamburg legten den Fokus in ihrem Workshop auf das Thema Nachteilsausgleiche für Studierende mit psychischen Erkrankungen. In Gruppen wurden verschiedene Maßnahmen des Nachteilsausgleichs bei unterschiedlichen Beeinträchtigungen und für diverse Prüfungsformen diskutiert, nachdem ein Überblick über die Situation Studierender mit psychischen Erkrankungen gegeben wurde.
Dr.in Kristina Schneider von der Uni Göttingen stellte ein Best Practice Beispiel aus Niedersachsen vor: In dem von ihr geleiteten Teilprojekt „Lehren ohne Barrieren“ steht die Sensibilisierung von Lehrenden für Barrieren in den eigenen Veranstaltungen im Mittelpunkt. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer*innen dieses Workshops an Thementischen Strategien der Bewusstmachung von Barrieren auf unterschiedlichen Ebenen der Hochschule.
Abdel Hafid Sarkissian (Berater im Arbeitgeber-Service für schwerbehinderte Akademiker*innen, Geschäftsbereich Fachvermittlung) referierte zunächst in seinem Workshop zum Thema Teilhabe am Arbeitsleben von Akademiker*innen mit Behinderungen zu Fachdienstleistungen und beruflichen Einmündungsstrategien, bevor der Dialog über Potenziale, Möglichkeiten und Grenzen solcher Unterstützungsangebote sowie deren Evaluations- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten eröffnet wurde.
Abschluss
In einer abschließenden Plenumsphase wurde der Blick auf Niedersachsen gelegt und, angeregt durch den Austausch in den Workshops, nach den Bedingungen für eine gelingende Netzwerkarbeit sowie nach derzeit notwendigen Services gefragt. Interaktiv und im Dialog entstand eine umfangreiche Sammlung an konkreten Maßnahmen, die verdeutlichen, dass es sich um eine wichtige Aufgabe handelt, deren Bearbeitung das NESIS-Projekt, im Dialog mit den beteiligten Akteur*innen, aufgenommen hat. Beendet wurde die Tagung im Gespräch mit Projektleiter und -mitarbeiter Dr. Marc Ruhlandt und Prof.in Dr. Christiane Maaß, die die Herausforderungen der Querschnittsaufgabe, Inklusion in Studium und Lehre voranzubringen, betonten und gleichzeitig auf das Engagement, die vorhandenen Best Practices, Aktionspläne etc. in Niedersachsen hinweisen. Dies gilt es bündeln, wertzuschätzen und nachhaltig zu etablieren.
Die Pausen und das Get Together im Anschluss wurden für den informellen und wertvollen Austausch und das Netzwerken genutzt.
Moderiert wurde die Tagung von Beate Hoffmann aus Bremen. Die Veranstaltung wurde durchgängig von Gebärdensprach- und Schriftdolmetschenden begleitet. Für Menschen mit Assistenzbedarf stand ein persönlicher Begleitservice zur Verfügung.
Wir danken allen Mitwirkenden für ihr Engagement, das zum Gelingen dieses Tages und zum Diskurs über eine inklusive Hochschullandschaft in Niedersachsen beigetragen hat!
Stimmen zur Tagung
Während der Veranstaltung haben wir Stimmen zum Thema Inklusion an Hochschulen und dem NESIS-Projekt eingeholt. In den Videos sprechen Prof.in Dr.in Simone Abels, Vizepräsidentin für Graduate School, Qualitätsentwicklung und Lehrkräftebildung an der Leuphana Universität Lüneburg, Nele Basedow, Studentin der Universität Hildesheim und André Völker, Beauftragter der TU Braunschweig für die Belange von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen.
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Am 16.03.2026 fand das erste NESIS-Netzwerktreffen dieses Jahres statt! Im Juni 2026 kommt das NESIS-Netzwerk das nächste Mal zu einem fachlichen Austausch zusammen.NESIS ist Praxispartner des Forschungsprojekts HoBeFoS
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