Wie gestalte ich meine Lehre inklusiv? Hinweise zum Semesterstart
Der Semesterstart ist für viele Studierende eine turbulente Zeit. Sie müssen Kurse wählen, neue Kommiliton*innen und Dozierende kennenlernen und eventuell neue Orte auf dem Campus finden. Gerade für Studierende mit Behinderung können diese Herausforderungen Barrieren darstellen. In diesem Beitrag wollen wir einen Überblick darüber geben, wie Dozierende helfen können, diese Barrieren abzubauen.
Vor allem zu Beginn des Semesters können Dozierende durch direkte Kommunikation und transparente Darstellung der Seminaranforderungen ihre Veranstaltungen inklusiver gestalten.
Nachteilsausgleich
Die offensichtlichste Unterstützung, die Studierende mit Behinderung im Kontext ihres Studiums bekommen können, ist der Nachteilsausgleich. Demzufolge ist es sinnvoll, wenn Dozierende zum Semesterbeginn die Studierenden auf die Möglichkeit des Nachteilsausgleichs, die Existenz neutraler Instanzen wie dem Prüfungsamt und Beratungsoptionen, z.B. durch die Zentrale Studienberatung, hinweisen.
Nichtsdestotrotz ist die Beantragung eines Nachteilsausgleichs mit bürokratischem Aufwand verbunden und benötigt deswegen seine Zeit. Deshalb sollten Dozierende Offenheit signalisieren, bestimmte Anliegen im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der direkten Kommunikation mit den betroffenen Studierenden zu klären, statt diese über einen Ausschuss laufen zu lassen.
Organisation und Gestaltung der Lehrveranstaltungen
Eine bedarfsgerechte Gestaltung der Lehrveranstaltung ermöglicht Studierenden die gleichberechtigte Teilhabe. Dozierende können Studierende unterstützen, indem sie den Seminarplan und die Lehrmaterialien frühzeitig zur Verfügung stellen. Dies ermöglicht es den Studierenden, ihren Lernplan den eigenen Bedarfen entsprechend zu gestalten. Dazu gehört auch das Nennen von konkreten Lernzielen und Abgabeterminen, wodurch Studierende sinnvolle Prioritäten setzen können. Außerdem sollte eine möglichst barrierefreie Gestaltung der Lehrmaterialien angestrebt werden. So kann es beispielsweise Studierenden, die einen Screenreader nutzen, helfen, wenn Formeln oder Bilder in Dokumenten mit aussagekräftigen Alternativtexten versehen und Dateien akkurat benannt werden. Viele Hochschulen und Universitäten haben bereits Handreichungen zur Gestaltung barrierefreier Lehrmaterialien veröffentlicht. Eine Auswahl finden Sie in unserer Materialsammlung zu barrierefreier Lehre.
Offene Kommunikation
Jede*r Studierende hat individuelle Grenzen. Gerade die eigene Behinderung stellt für viele ein intimes und vulnerables Thema dar. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass sich Studierende gegenüber Dozierenden und Kommiliton*innen nur so weit öffnen, wie es für sie angemessen erscheint. Viele Studierende wollen in Seminaren und Veranstaltungen erst unabhängig von ihrer Behinderung kennengelernt und wahrgenommen werden, bevor sie die eigene Behinderung anderen gegenüber thematisieren. Die Etablierung einer Kommunikation auf Augenhöhe und die Herstellung eines Vertrauensverhältnisses sind dafür essenziell. Trotzdem hilft es Studierenden und besonders Personen mit sozialen Ängsten schon sehr, wenn Lehrpersonen offen auf sie zugehen und ihre Bedarfe sowie das Thema Studieren mit Behinderung ernst nehmen. Für manche Dozierende ist dieses Thema vielleicht noch unbekannt und deshalb mit Unsicherheiten verbunden. Ein offenes und den Studierenden zugewandtes Agieren wird diese Unsicherheiten mit der Zeit auflösen und ein barrierefreies Studieren weiter fördern. Ein authentischer Umgang mit diesem Thema ist keine einmalige Entscheidung, sondern ein gelebtes Verhalten, das immer weiterentwickelt werden sollte.
Informationen zu inklusivem Studieren in Niedersachsen
Bei allen Fragen rund um das Thema Inklusiv Studieren in Niedersachen stehen wir als NESIS sowohl Studierenden als auch Dozierenden beratend zur Seite. Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, dann erreichen Sie uns per Mail oder telefonisch. Die entsprechende Mail-Adresse, sowie unsere Erreichbarkeiten per Telefon finden Sie auf unter Kontakt. Das NESIS-Team freut sich auf Sie.
Aktuelles
Digitale Barrierefreiheit in der Hochschullehre: Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe
Die Digitalisierung der Hochschullehre eröffnet neue Möglichkeiten, Barrieren im Studium abzubauen – vorausgesetzt, digitale bzw. digital unterstützten Lehrangebote sind barrierefrei gestaltet. Eine hochschulübergreifende Befragung von Lehrenden und Studierenden im Projekt SOUVER@N zeigt jedoch deutliche Unsicherheiten bei der praktischen Umsetzung. Der Beitrag stellt zentrale Herausforderungen, Unterstützungsbedarfe und mögliche Ansatzpunkte zur Stärkung digitaler Barrierefreiheit in der Hochschullehre vor.Mehr lesen
NESIS-Netzwerktreffen am 16.03.2026
Am 16.03.2026 fand das erste NESIS-Netzwerktreffen dieses Jahres statt! Im Juni 2026 kommt das NESIS-Netzwerk das nächste Mal zu einem fachlichen Austausch zusammen.NESIS ist Praxispartner des Forschungsprojekts HoBeFoS
Seit dem 01.01.2026 ist NESIS Praxispartner des Forschungsprojekts "Hochschulische Beratung im Fokus: Die Passung von Beratungsangeboten und -strukturen für neurodivergente und psychisch beeinträchtigte Studierende aus Studierendensicht verbessern (HoBeFoS)".
Mehr zum Projekt "HoBeFoS"
